Das Geheimnis einer guten Passform: Die richtige Nahtzugabe

 

„Wie hältst Du es mit der Nahtzugabe?“

Das klingt nicht nur wie die Gretchenfrage einer jeden Näherin, die Nahtzugabe ist tatsächlich eine oft verkannte Größe auf dem Weg zur guten Passform und wird doch allzu oft stiefmütterlich vernachlässigt.

 

 

Die Pfeile zeigen die Nahtzugabe von 1,5cm, die zum Schnitt (weiß) noch hinzugefügrt wurden

 

Eigentlich ist es ganz einfach: man befolge die Angaben des Schnittmusterherstellers, wieviel Nahtzugabe der Schnitt vorsieht. Viel zu oft aber ist in den Nähblogs zu lesen, dass die Nahtzugabe zu vernachlässigen und einfach zu verändern sei, à la da mal ein Zentimeter weggenommen und dort mal was hinzugefügt. Als ich anfing Kleidung zu nähen, habe ich  das zugegebenermaßen auch gedacht, doch dieser Weg führt nicht zur gewünschten Passform, zu gut sitzenden Kleidungsstücken, sondern nur zu Frustrationen. Garantiert. Eine meiner ersten Lektionen war denn auch: Manipulationen an der Nahtzugabe verpfuschen die Passform. Zwangsläufig! Eine gute Passform zeichnet sich nicht dadurch aus, dass an den Seiten, also an den Nahtzugaben Weite hinzugegeben oder weggenommen wird, sondern dass sie sich am Körper orientiert – und das ist bei dreidimensionalen Körpern nun mal nicht an den Seiten eines Kleidungsstückes.

 

Doch manchmal ist es gar nicht so leicht sich an die Vorgaben zu halten. Jeder Schnittmusterhersteller hält es nämlich anders: Nahtzugaben werden unterschiedlich bemessen, mal 1,5 cm, mal nur 0,6 cm, mal sind sie im Schnittmuster bereits enthalten, mal müssen sie noch hinzugefügt werden. Manche Schnittmusterdesigner bieten gedruckte Schnittmuster auf Papier an und Schnittmuster als PDF-Datei, die man sich zuhause selbst ausdruckt. Auch hier kann es vorkommen, dass die Nahtzugaben divergieren.

Vor jedem Projekt ist also unbedingt das Kleingedruckte zu lesen. Da ich Nähanleitungen manchmal nur so zum Vergnügen oder als Bettlektüre lese, finde ich diese Vorstellung überhaupt nicht abschreckend oder langweilig. Für andere ist es jedoch lästig. Ich weiß, dass es viele Näher gibt, die sich nicht so gern damit aufhalten und lieber in medias res gehen und sich an die Nähmaschine setzen und gleich loslegen wollen. Verständlich, möchte man aber nicht nur ein sackartiges Gewand, sondern ein Kleidungsstück mit einer guten Passform schneidern, lohnt sich die Mühe allemal. Ärgerlich ist es dann besonders,  wenn der Schnittmusterhersteller selbst noch nicht einmal seine vorgesehene Nahtzugabe erwähnt. So etwas geschieht zwar selten, bleibt aber dennoch ärgerlich. So geschehen, als ich letztens in einem Heft Patrones aus Spanien blätterte und es nicht glauben konnte, dass die Angaben zur Nahtzugabe vollständig fehlten. Im ganzen Heft fand sich kein einziger Hinweis. Ich suchte also im Netz und selbst die Website des Verlages bot hierzu keinerlei Information.

Ich sah also Handlungsbedarf, denn vor diesem Problem werden irgendwann alle Näherinnen und Näher stehen. Deshalb liste ich hier meine gesammelten Infos zu unterschiedlichen Schnittmusterherstellern auf und freue mich natürlich über Hinweise und Infos zu anderen Schnittmusterdesignern, damit die Liste wachse und immer vollständiger werde und eine praktische Nachschlagehilfe sein kann.

 

Schnittmuster mit bereits enthaltenen Nahtzugaben

Butterick: 5/8 inch (1,6cm)

Jalie: 1,5cm

McCalls: 5/8 inch (1,6cm)

New Look: 1,5cm

Simplicity: 5/8 inch (1,6cm)

Vogue: 5/8 inch (1,6cm)

 

Schnittmuster, bei denen die Nahtzugabe hinzugefügt werden muss

Burda: 1,5cm

Fashionstyle: 1,5cm

Jean Hardy: 1,5cm

Knipmode: 1,5cm

Onion: 1,5cm

Ottobre design: 1,5cm

Patrones: 1,5cm

 

Hier noch schnell eine abschließende Anmerkung: Wenn die Nahtzugabe bei englischsprachigen Schnittmustern mit 5/8 inch angegeben wird, so sind das exakt 1,6cm, auch wenn manche Hersteller 1,5 cm angeben. Ich finde, wenn wir genau sind, dann sind wir wirklich genau.

Ran an die Präzision und dabei viel Freude!

L. von fabricandacuppa

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