Polka Dots mit Vintage Flair

PD GanzPolka Dots! In meinem Fall ziemlich große Polka Dots. Ich habe mich schon desöfteren gefragt, weshalb es so einen Hype um Kleidungsstücke mit Punkten und Pünktchen gibt. Weshalb klingt es eigentlich stylischer, eine Polka Dots-Bluse zu nähen, als eine Bluse mit Punkten? Ich weiß es nicht.

 

 

Als mir ein Reststück einer dickeren Viskose, tiefblau mit naturweißen Tupfen zu einem sehr günstigen Preis in die Hände fiel, schoss es mir augenblicklich durch den Kopf: Polka Dots! Und was für Dots, recht große und unregelmäßige Dots. Ich mag sie. Sie wecken Assoziationen mit Cinemascope-Filmen der Fünfziger Jahre, mit schönen Frauen, die ihre tadellos sitzende Frisur elegant in Chiffon hüllen, während sie im offenen Cabriolet – am besten neben Cary Grant – die Serpentinen an der strahlend blauen Côte d’Azur entlangrauschen.

 

 

PD Vorne
Fashion Style 04/2016 Modell # 16

Polka Dots sind verspielt wie junge Hunde, sie heben die Stimmung, sie sind unverbindlich. Letztens las ich bei einer amerikanischen Kolumnistin den Ratschlag bei einem Vorstellungsgespräch von Polka Dots lieber die Finger zu lassen, zu groß sei das Risiko als flatterhaft und unzuverlässig eingeschätzt zu werden. Wäre man allerdings im kreativen Arbeitssegment unterwegs, dann wären die Tupfen Ausdruck von Originalität und Nonkonformismus. Ist das nicht drollig? Schließlich trägt fast jede Frau mal ein Kleidungsstück mit Dots, Punkten oder Pünktchen – und sei es nur ein gepunktetes Halstuch – was also kann daran nonkonformistisch sein? Vielleicht weil sie so verspielt gegen jede Regel sind? Selbst, wenn sie sich absolut einfallslos regelmäßig über die Fläche verteilen? Ähnlich verhält es sich auch mit Streifen: ob regelmäßig, unregelmäßig oder in breiten Blöcken. Sie sind frisch. Auf Streifen trifft man eigentlich nur im Sommer. Mit ihnen verbinden wir Sonne, Meer, Ferien – und Freiheit! Da meldet sich der Nonkonformismus wieder. Auch Tupfen, Punkte, Polka Dots sind ein Phänomen wärmerer Jahreszeiten. Aber ich schweife ab. Es war noch kalter Winter und mir fiel dieser griffige Viskosestoff mit diesen großen Tupfen in die Hände – mir war es augenblicklich sonnenklar: Das wird eine Bluse mit Schleifenbändern! Dazu muss man wissen: Ich trage sonst nie, absolut nie Schleifen, Rüschen & Co! Nun aber musste es sein.

Als Schnitt nahm ich das Modell # 16 aus der Fashion Style 04/2016, der auch das Cover des Heftes ziert, und änderte ihn ein wenig ab. Das Ergebnis war meine erste selbst genähte Polka Dots Bluse. Nun ja, ganz zufrieden bin ich nicht. Sie ist, wenn man der Nähanleitung folgt und unliebsame Einblicke bei sitzender Position vermeiden möchte, einfach etwas zu kurz. An das nicht unbedingt vorteilhafte Aufspringen der Falten in der Taille werde ich mich auch erst noch gewöhnen müssen. Mit diesem Einwand bin ich offensichtlich nicht allein, siehe Frau Vau 

Mein Tipp für alle, die noch vorhaben, eine Bluse nach diesem Schnittmuster zu nähen: unbedingt der Stoffempfehlung, die fließende Stoffe wie Seide oder Viskose vorsieht, folgen!

Knöpfe
Klassisch: Rot-Weiß-Blau

Mit dieser Bluse aus Viskose habe ich nun ein gegen Knittern unempfindliches Oberteil, das auch noch nach Stunden im Koffer immer noch gut aussieht und stadttauglich ist. Beim nächsten Städtetrip mit der besten Schulfreundin wird sie also mit von der Partie sein. Völlig vernarrt bin ich in die rot-weißen Knöpfe, die ich in einem kleinen Laden in Berlin-Charlottenburg erstand.

 

 

 

 

Schulterpasse mit Raglanärmel
Schulterpasse mit Raglanärmel

An dem ansonsten einfachen Schnitt gefällt mir besonders gut die Schulterpasse mit den Raglanärmeln: Sie ist einfach zu nähen, passt sich der natürlichen Schulterwölbung wunderbar an und ist richtig bequem.

 

 

 

 

Naht
Französische Naht

Zeitgleich zu dieser Bluse habe ich mit der Tutorial-Serie Auch von innen schön begonnen und gezeigt, wie leicht eine Französische Naht zu nähen ist. Da hatte ich leider bereits meine Seitennähte mit der Overlock versäubert. Die Nähte waren tadellos, die Innenseiten sahen sauber aus, aber passten dennoch irgendwie nicht zum Gesamtbild der Bluse. Kurzerhand trennte ich alles wieder auf und nähte sie stattdessen mit einer Französischen Naht wieder zusammen. Und das habe ich keinen Moment bereut. So gefällt mir die Innenseite viel besser, besonders bei einem Kleidungsstück, das einen gewissen Vintage-Touch hat, sieht die Innenseite so authentischer aus. Ich gebe zu, das mag vielleicht ein wenig übertrieben sein. Ich wüsste nur zu gern, wie es andere nähende Damen und Herren mit der Innenseite ihrer Kleidung halten und freue mich auf Antworten oder Anregungen.

 

ZeichnungFazit: Dieses Modell hat aufgrund seines zeitlosen Vintageflairs und Tragekomforts eine zweite Chance verdient: dann aber ohne aufspringende Abnäher und vor allem etwas länger, schließlich möchte ich mich auch mal setzen können.

L. von fabricandacuppa

 

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