Basics: McCall’s 6750 mit Vintage-Touch

ichWer Abnäher liebt, kommt bei diesem Schnittmuster bestimmt auf seine Kosten. Die Bluse McCall’s 6750 sieht zwölf Abnäher vor. Nach Fertigstellung der Bluse sollten diese auch für Nähanfänger kein Problem mehr sein. Rücken- und Vorderteil haben jeweils 4 Abnäher in der Leibesmitte, vorne gibt es noch 2 seitliche Brustabnäher und im Rückenteil 2 Abnäher im Schulterbereich.
Ist McCall’s 6750 zu empfehlen? Eindeutig ja. Das Schnittmuster ist recht einfach umzusetzen. Nachdem ich letztens erst ein kompliziertes Herrenhemd genäht hatte, suchte ich zur Abwechslung nach einem Blusenschnitt, der zwar Façon hat, aber mit möglichst wenigen Kniffen auskommt und entspannter als ein Businesshemd zu nähen sei.
Da kam mir dieser Schnitt gerade recht: zum einen verleihen die bereits erwähnten Abnäher der Bluse Form, zum anderen gefiel mir das an Schnittmuster der 1940er Jahren erinnernde breite Revers. Kragen und Kragenband muss man dennoch nicht eigens anfertigen. Das Schnittmuster eignet sich deshalb sehr gut für Neulinge, die sich an ihre erste Bluse mit Passform jenseits weit geschnittener Tuniken herantrauen.

Der breite Kragenaufschlag ist Teil des Vorderteils wie auch der Kragen schon Teil der Rückenteils ist. Laut Anleitung sollen beide mit einem Beleg versehen und mit Bügeleinlage verstärkt werden. Bei der nächsten Bluse nach M 6750 werde ich jedoch keine Einlage mehr verwenden, schließlich habe ich es lieber etwas anschmiegsamer, und da der verwendete Baumwollstoff selbst schon selbst etwas steif ist, ist es mir an Passform fast schon wieder zu viel des Guten.

McCall's 6750
McCall’s 6750

McCall’s 6750 wird in drei Versionen angeboten: ärmellos, mit ¾-Ärmeln und mit langem Arm, beide mit Manschetten, die auch sehr leicht zu nähen sind. Die Ärmel bestehen aus zwei Teilen, was schicker ist und auch für mehr Tragekomfort sorgt. Für die ärmellose Variante A gibt es sogar ein eigenes Schnittteil, bei dem der Armausschnitt weiter in die Schulterpartie hineinreicht, wodurch das Schultergelenk schön akzentuiert wird und gleichzeitig unerwünschte tiefe Einblicke in den Armausschnitt vermieden werden. Da hat jemand mitgedacht.
Für meine Bluse entschied ich mich für die Variante B mit den 3/4-Ärmeln und gegen die 4 Abnäher im Vorderteil. Schnell waren die wenigen Schnittteile zugeschnitten. Die Anleitung, die nur auf Englisch und Spanisch vorliegt, ist klar und unmissverständlich formuliert und die gezeichneten Illustrationen sind eindeutig und leicht zu interpretieren. Besonders die Anleitung für den zweiteiligen Ärmel, der immer besser sitzt als ein einteiliger, fand ich hilfreich.

 

Ausbeute vom Stoffmarkt
Ausbeute vom Stoffmarkt

Den Anfang nahm die Bluse auf dem Stoffmarkt Holland, der im Februar wieder einmal in Berlin Station machte. Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Wollstoff, der sich für eine Chanel-Jacke eignete. Heim kam ich mit vielem, allerdings nicht mit dem Wollstoff: es stand schließlich das Frühjahr bevor und da gefielen mir – leicht nachvollziehbar – leichtere Stoffe, andere Muster, kräftigere Farben. So verschob ich das Projekt Chanel-Jacke auf den kommenden Herbst!
Fazit: Ich mag den Schnitt, meine Bluse jedoch aus besagtem Grund nicht besonders. Bei der nächsten weiß ich, worauf ich zu achten habe. Ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt von diesem nicht ganz gelungenen Resultat berichten soll. Weil ich für Tipps und Ratschläge aber immer dankbar bin, entschied ich mich dafür, weil es beim Nähen nun mal so zugehen kann. Manche vermeintlich unwichtige Entscheidung, wie bei mir die falsch gewählte Bügeleinlage, hat dann doch maßgeblichen Einfluss auf das Kleidungsstück und auf den Tragekomfort. Im Nähprozess hat jede Entscheidung Auswirkung auf das Ganze und wenn ich jemanden da draußen vor demselben Fehler bewahren konnte, schön!

L.

 

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