Zu Besuch im Berliner Teesalon

Der Teesalon am Stuttgarter Platz
Der Teesalon am Stuttgarter Platz

Eigentlich sind wir, was Tee betrifft, nicht gerade Feinschmecker. Wir trinken ihn gerne schwarz und kräftig – viel zu kräftig, wie wir im Berliner Teesalon gelernt haben. Dieses feine Geschäft ist eine kleine Perle. Es liegt direkt am Stuttgarter Platz in Charlottenburg, der im Moment eine Art Renaissance erlebt.

Ein wenig erinnert der Teesalon mit seinem großen Angebot an Tees und auch an vor allem wegen des zur Schau gestellten Zubehörs an ein kleines Museum der Teekultur. Es gibt unglaublich viel zu entdecken und zu bewundern, wie beispielsweise wunderschöne asiatische Teeschalen und Kannen. Hier wird nicht nur Tee verkauft, man kann ihn auch vor Ort genießen und so für einige Zeit dem Lärm der Stadt entkommen und sich bei einer Kanne Tee entspannen. Die Liebe zum Detail geht über die Einrichtung des Teesalons hinaus, denn selbst wir konnten geschmacklich erkennen, dass wir hochwertige Tees kosten durften. Mit der Inhaberin, Frau Maerz, ins Gespräch gekommen, stellten wir auch bald fest, dass dieser Laden von einer echten Tee-Aficionado geführt wird. Sie scheint aber auch wirklich alles über Tee zu wissen. Wir durften an verschiedenen Tees riechen und erst einmal die Nase für feine Nuancen schulen. Manche Tees duften nach Heu, andere nach Gras. Einige haben fruchtige Noten, andere wieder etwas deftigere.

„Ein guter Tee sollte auch nach schlechter Behandlung gut schmecken.“

 IMG_1517Wenn hier von Tee die Rede ist, geht es um die Blätter der Camellia sinensis, aus der Gattung der Kamelien. Der größte Fehler bei der Teezubereitung ist der falsche Aufguss. Die ideale Aufgusstemperatur und die Ziehdauer sind abhängig von der Teesorte. Ist das Wasser nicht warm genug, schmeckt der Tee labbrig. „Am besten, man quält einen neuen Tee erst einmal,“ meint Frau Maerz. Dies bedeutet, ein wenig Tee wird in einer kleinen Schale sehr heiß aufgegossen und erst einmal beobachtet. Dann kann ausprobiert werden, wie lange er ziehen sollte und wie viele Aufgüsse sich ergeben. Grüne Tees sollten nicht so heiß aufgegossen werden. Die Diven unter den Tees, wie bestimmte japanische Grüntees oder Darjeelings haben nur einen kleinen Sweet Point, also beim Aufguss nur ein kleines Fenster für die optimale Zubereitung. Doch ein Tee tanzt durch die Aufgüsse: Er kann drei bis vier mal aufgegossen werden und schmeckt jedes Mal anders. Die Ackergäule unter den Tees stammen meist von sehr alten Pflanzen, oft weit über 100 Jahre alt. Sie haben eine tolle Qualität und verzeihen auch mal eine schlechte Behandlung. Interessanterweise gibt es bei den High-End Darjeelings derzeit eine leichte Verknappung, da dieser bei japanischen Teeliebhabern sehr gefragt ist. Mainstream Tees stammen von circa 30-jährigen Pflanzen, doch erst die Blätter von Pflanzen ab einem Alter von 50 Jahren ergeben einen abgerundeten, vollständigen Tee.

Im Sommer empfiehlt es sich, grünen Tee eiskalt aufzugießen. Die richtige Dosierung liegt bei einem gestrichenen Teelöffel auf einem halben Liter Wasser. Er kann dann im Kühlschrank aufbewahrt werden und ist sehr erfrischend. Aber letztlich ist es mit dem Tee, wie bei so vielen anderen Dingen auch: Erlaubt ist, was dem Gaumen gefällt. Und so sind auch wir gerne davon überzeugt worden, mal von unserem Standard-Schwarztee abzukommen und unseren Horizont zu erweitern.

Wir danken Frau Maerz ganz herzlich für das sehr interessante Gespräch und die unterhaltsame und informative Teeverkostung.

S.

Anschrift: Berliner Teesalon, Stuttgarter Platz 15, 10627 Berlin-Charlottenburg