Aloha – wie ein Hemd Hawaii bekannt machte

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Foto
Japanischer Handdruck, Detail von einem Hawaiihemd

Wer war schon einmal auf Hawaii? Auf dieser Inselgruppe, die unserer Vorstellung eines heilen und betörend schönen Südseeparadieses so nahe kommt? Wohl die wenigsten. Doch das Hawaiihemd, das kennt jeder. Spätestens in den 1960er und 1980er Jahren, als Hawai als Schauplatz für TV-Serien entdeckt wurde, hielt das nach der Insel benannte Hemd auch in bundesdeutschen Wohnzimmern Einzug, so in Fernsehserien wie Magnum oder Hawai Five-0. Auch John ‚Keoni‘ Meigs, der bekannte Stoffdesigner bemerkte einmal, dass das Hawaiihemd Hawaii in gewisser Weise erst bekannt gemacht habe.

In unseren subtropischen Breitengraden trägt der Herr fast nie ein so farbenfrohes gemustertes Hemd, so dass es hier nur sehr selten am lebenden Exemplar bewundert werden kann. Allenfalls im Sommer lässt er sich zu bunten Badeshorts mit hawaiiianischen Blütenmustern hinreißen. Zugegeben, ein Hawaiihemd fällt auf und mag außerhalb tropischer Gefilde auch fast immer deplatziert wirken, in jedem Fall vermittelt es jedoch gute Laune und ein Gefühl von Leichtigkeit und Lockerheit.

 

Layout 1 Vor einigen Jahren schon stieß ich auf das Buch The Aloha Shirt (Das Hawaiihemd – ein Lebensgefühl) von Dale Hope. Damals wusste ich nicht genau, was mich trieb dieses Buch zu kaufen. Ich hatte jedenfalls überhaupt keine Beziehung zu Hawaii oder zu knallbunten Herrenhemden, aber schon damals gefiel mir das unkonventionelle Layout genauso wie der kaleidoskopartige Überblick so vieler unterschiedlicher und origineller Stoffdesigns.

 

Mit dem Buch hatte ich ein Stückchen Einblick in die Seele der Südsee erstanden und Bildertrost für einen Nachmittag an einem grauen Berliner Novembertag, an dem mich nichts vor die Haustür locken würde. So kam es denn auch. Während es draußen kaum hell wurde und der mit Wolken verhangene Himmel fast die Hausdächer berührte, machte ich es mir auf dem Sofa mit einer Kanne duftenden Earl Grey Tees gemütlich und tauchte ab in eine bunte fröhliche Welt voll mit fliegenden Fischen, leuchtenden Hibiskusblüten, und exotischen Hula-Tänzerinnen.

Mit zunehmender Beschäftigung  mit allem rund um die Textilherstellung, wuchs zwangsläufig  auch mein Interesse an Stoffdesign, Textildrucken und ganz allgemein an der verarbeitenden Textilindustrie. Das Buch The Aloha Shirt bietet hierzu einen ganz phantastischen Einblick und der Zusatztitel des Buches Spirit of the Islands hätte besser nicht gewählt werden können.
Dale Hope, der Verfasser von The Aloha Shirt, hat sein ganzes Leben in der hawaiiianischen Textilindustrie zugebracht. Für ihn ist das Hawaiihemd nicht nur Ausdruck eines Lebensgefühls, sondern auch zum Lebensinhalt geworden. Kenntnisreich beschreibt er die Geschichte des Hemdes, woher die ersten Schneider und die zuerst verwendeten Stoffe kamen. Die von den Philippinen und vor allem aus Japan stammenden Schneider bezogen die Stoffe aus ihrer alten Heimat, weshalb aus der frühen Zeit des Aloha Shirts, also  in den 1930er Jahren, japanische Muster vorherrschten.

Japaner mit Lampions
Kinder mit Lampions

Auf diesen ersten Hawaihemden finden sich archaische, aus der Natur entnommene Symbole wie Tiger, Bambus oder Kirschblüten oder wie links zu sehen, Szenen aus dem Alltagsleben, Kunden vor einem Imbissstand, der Sushi verkauft oder Japaner mit Lampions. Selbst der Fujiyama fand Eingang in den Formenschatz des Hawaiihemdes. Seit den 1950er Jahren wurden Hawaiihemden auch in Kalifornien gefertigt, deren Dessins nun große Blumen oder ganz sportlich Segelboote oder Surfbretter zeigten.

 

Wer sich über die auf Hawaii ansässigen Hemdenhersteller, Stoffdesigner und Stoffdrucker informieren will, wird bei Dale Hope ebenso fündig. Dass den scheinbar unwichtigen Details ebenso Augenmerk geschenkt wird, gefällt mir besonders gut; so gibt es eigens ein Kapitel über die Etiketten und die Kokosnussknöpfe, die ein Hemd erst zu einem richtigen Hawaiihemd machen und deren Herstellung bereits die Kinder in der Grundschule erlernten. Gestickte Bilder vom Surfen, Meer, Palmen am Strand zieren die kleinen Stoffetiketten.

 

gift shops
Einschlagpapier der Leilani Gift Shops

Das Hawaiihemd war schon immer das Souvenir, das Mitbringsel von einer Reise nach Hawaii, daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Kurios ist das Kapitel Celebrities and their Shirts (Stars und ihre Hemden). Es zeigt einige Filmplakate und Prominente, die in einem Hawaiihemd posieren. Ganz gleich ob Walt Disney, Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller, der King of Rock’n Roll Elvis Presley oder die amerikanischen Präsidenten Truman und Eisenhower – das Hawaiihemd scheint in den USA schon recht früh in allen Schichten angekommen und akzeptiert zu sein.

Das Buch erscheint in diesen Wochen frisch überarbeitet und noch umfangreicher bei Patagonia auf dem us-amerikanischen Markt.

Dale Hope arbeitet momentan übrigens an einem Buch über den hawaiiianischen Pareau (Pareo). Das lässt auf die nächsten Winter mit vielen grauen Tagen hoffen, an denen ich es mir dann mit diesem farbenprächtigen Buch zu einer neuen tropischen Textilgeschichte auf dem Sofa gemütlich machen kann. Und sollte mir tatsächlich mal ein Hawaiihemd am lebenden Objekt begegnen, ich werde es mit anderen Augen sehen.

 

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Buchcover der deutschen Ausgabe

 

Die Abbildungen sind entnommen aus: Dale Hope (unter Mitarbeit von Gregory Tozian), The Aloha Shirt. Das Hawaihemd – Ein Lebensgefühl, München 2002, 212 S.
Wir danken Dale Hope für die freundliche Erlaubnis, die Illustrationen seinem Buch zu entnehmen und in unserem Blog zeigen zu können.

L.

 

 

Aloha- How a shirt from Hawaii made the islands famous

 

translated by Lilith

 

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The republished edition of The Aloha Shirt

Although most of us Europeans have only been to Hawaii in our dreams of the “Paradise of the Pacific”, we all know the Aloha Shirt. In fact, as the well-known fabric designer John “Keoni” Meigs once stated, it seems like the shirt itself popularized it’s place of origin. It might not be a common in a man’s wardrobe, but it definitely conveys a sense of cheerfulness and lightheartedness.

A few years ago I came across a book called The Aloha Shirt by Dale Hope. Captivated by its unusual layout and all the charming fabric designs, I bought it. It felt like I had acquired an insight into Hawaii’s soul, as well as solace on that dull November day in Berlin. While the eternally gray sky touched the rooftops outside, I snuggled up on my sofa, celebrated my discovery with a teapot of sweet-scented Earl Grey and immersed myself in a world full of hibiscus flowers, flying fish and exotic hula-hula dancers.

As I became increasingly occupied with everything about textile production, I inevitably cultivated an interest in fabric design, textile printing and fabric processing in general, into which The Aloha Shirt, which is fittingly subtitled Spirit of the Islands, gives a stunning insight.

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fabric inspired by Hokusai

Because the author Dale Hope spent his entire life in the Hawaiian textile production, the Aloha Shirt became his purpose in life. He knowledgeably explains the shirt’s origin as well as its tailor’s origins, who were mostly from Japan and the Philippines. This is why Japanese patterns predominate in the beginnings of the Aloha Shirt in the 1930ties; for example symbols as bamboo, cherry blossoms or Mount Fuji. Since the 1950ties Aloha Shirts were produced in California, henceforth depicting large blossoms, sailboats or surfboards.

If you are interested in lots of information on Hawaiian shirt manufacturers, fabric designers and fabric printers, The Aloha Shirt will not disappoint you. I took a liking to Dale Hope’s style; he meticulously addresses even the smallest details such as garment labels and coconut buttons, which make a shirt a genuine Aloha Shirt, and is why children as young as elementary school students used to learn how to manufacture them. And as stars wearing Aloha Shirts such as Walt Disney, Elvis Presley and the presidents Truman and Eisenhower show in the amusing chapter Celebrities and their Shirts, the Aloha Shirt seems to have been naturalized in the US for quite some time.

While Dale Hope is actually researching for his new book about the Hawaiian pareau he has republished his book about the Aloha shirt in spring 2016 with Patagonia and we have to thank him for his kind support.